Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen

 

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für die Wertung

 

 

Bezirksfusion im Kanton Appenzell Innerrhoden: Schwende-Rüte

Im Jahr 2022 vereinigen sich die beiden Bezirke Rüte und Schwende zu Schwende-Rüte:

 

 

 

Rüte

 

 

 

Schwende

 

 

 

 

 

Schwende-Rüte

 

 

Der Kanton Appenzell Innerrhoden ist in Bezirke gegliedert, die eigentlich den Gemeinden in den übrigen Kantonen entsprechen.

Für das neue Bezirkswappen wurde der einfachste Weg gewählt: Die beiden bisherigen Wappen sind praktisch unverändert zum neuen zusammengefügt worden. Oben liegt Rüte mit dem ehemaligen Wappen der Herren von Schönenbüel, unten ist das Symbol der ehemaligen Burg Rachensein von Schwende.

Aus heraldischer Sicht stossen nun die bisherigen Schildfarben Schwarz (Rüte) und Blau (Schwende) aneinander. Das ist allerdings auch beim Wappen des Kantons Aargau der Fall. Die heraldische Farbregel verbietet, dass Motive in Metallfarben (Silber bzw. Weiss und Gold bzw. Gelb) auf einem Schild in "gewöhnlichen" Farben (Rot, Blau, Schwarz und Grün) bzw. umgekehrt liegen dürfen. Diese Regel diente zur besseren Erkennbarkeit der Schilder auf grössere Distanz, vor allem unter ungünstigen Lichtverhältnissen. So sind im Sonnenschein ein Goldener Stern auf Silber oder eine grüne Tanne auf Blau im Schatten kaum erkennbar. Auch heute führen diese Regeln zu einer guten grafischen Gestaltung. Diese Regel ist bei der Aufteilung des Schildes in verschiedene Felder teilweise umstritten, wird aber mehrheitlich doch eingehalten

Das neue Wappen umfasst mit seinen sechs Farben die gesamte Palette der in der schweizerischen Heraldik gebräuchlichen Farben. Zudem handelt es sich bei beiden Motiven nicht um einfach gestaltete Figuren. Die Krone ist mit dem Blattornament und den aufgesetzten Edelsteinen ein schön gestaltetes Objekt. Der Schwanenhals, von Natur aus ein beinahe unglaublich biegsamer Körperteil wirkt trotz der Reduktion der Vertikalen nicht unnatürlich.

Die Burg weist mit dem aufgesetzten Dach, den beiden Gaden und den fünf unterschiedlichen Fensteröffnungen ebenfalls eine gewisse Gliederungsvielfalt auf. Durch die Verkürzung der Vertikalen wirkt die Burg aber gedrungen. Sie ist nicht mehr so gut als "Burg" erkennbar.
Jedes der bisherigen Wappen ist meisterhaft gestaltet und besitzt eine hohe Ausdruckskraft. Durch die Vereinigung im neuen Wappen geht diese Ausdruckskraft verloren. Das Wappen wirkt mit den vielen Farben und den relativ stark gegliederten Motiven überladen.

Die Symbolik wird bei der Wahl von neuen Wappen oft unterschätzt. An erster Stelle (heraldisch oben) steht Rüte und an zweiter Stelle (heraldisch unten) Schwende. Das widerspricht dem neu gewählten Bezirksnamen Schwende-Rüte!

 

Die bisherigen Bezirks- und Gemeindefahnen verlieren ihren Status als offizielle Hoheitszeichen. Sie werden und sollen auf privater Basis (z.B. von Vereinen) weiterhin verwendet werden. In etlichen Schweizer Gemeinden wehen vor dem Gemeinde- oder Rathaus neben der offiziellen Flagge auch die der eingemeindeten Dörfer oder Quartiere. Wenn für die neue Gemeinde anstelle eines neues Motiv die bisherigen in vereinigter Form gezeigt werden, wir der Gesamteindruck durch die Wiederholung der Motive ungünstig beeinträchtigt.

 

Für das neue Bezirkswappen wurden anfänglich drei Vorschläge ausgearbeitet:

a) Gespaltener (senkrecht geteilter) Schild mit den Motiven beider Bezirke, getrennt durch eine weisse Wellenlinie.
Die Motive Burg und Schwanenhals sind dadurch unnatürlich in die Länge gezogen.

b) Schild waagrecht durch Zickzacklinie geteilt (Symbol für das Alpsteinmassiv), oben und unten ein Stern.
Dieses Wappen ist bewusst grafisch einfach gestaltet worden, damit es auch in verkleinerter Form optimal zur Geltung kommt.

c) In Schwarz zwei Reuthauen als Symbol auf die Herkunft der beiden Bezirksnamen, ergänzt durch eine Sonne und einen Dreiberg.

 

In der Folge wurde der erste Vorschlag überarbeitet, die senkrechte Teilung ist durch eine waagrechte ersetzt. Die Wirkung wird dadurch markant verbessert, aber erreicht niemals die Aussagekraft der beiden anderen Vorschläge.

 

Möglicherweise orientierte man sich an dem Bezirkswappen von Oberegg, das die beiden Wappen der Rhoden von Oberegg und Hirschberg vereinigt.

 Traditionen haben im Appenzellerland einen grossen Stellenwert. Das ist auch gut so und soll unbedingt weiter gepflegt werden. Aber auch die Heraldik hat ihre Tradition und ihre Regeln seit etlichen Jahrhunderten, welche durch die Regeln der Gestaltungslehre und der Symbolik ergänzt werden.

 

Blasonierung:

Geteilt: 1) In Schwarz weisser Schwanenhals mit rotem Schnabel und Zunge, aus gelber, mit Rubinen besteckten Krone wachsend; 2) In Blau weisse Burg mit rotem Dach und Gaden und schwarzen Fenstern auf grünem, mit weissem Wellenbalken belegten Dreiberg.

 

 

Wertung: Befriedigend 

 

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