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Gemeindefusion im Kanton Thurgau: Tobel-Tägerschen

Im Jahr 1999 vereinigten sich die beiden Ortsgemeinden Tägerschen und Tobel zur politischen Gemeinde Tobel-Tägerschen:

 

 

Tägerschen

 

 

Tobel

 

 

 

Tobel-Tägerschen

 

 

Längere Zeit führte die politische Gemeinde Tobel-Tägerschen die Wappen der beiden einstigen Ortsgemeinden nebeneinander. Der Kanton Thurgau kennt im Gegensatz zu den meisten andern Kantonen keine Pflicht zur Wappenführung durch die Gemeinden. So konnte jede tun und lassen, was ihr behagte.

Als man bei der Renovation des Regierungsgebäudes in Frauenfeld einen Wappenzyklus aller 80 Gemeinden anbringen wollte, stelle man fest, dass auch Tobel-Tägerschen die Wappenfrage nicht gelöst hatte. Entweder musste sie sich für eines der beiden Wappen entscheiden oder ein neues zulegen. Der Gemeinderat entschied sich, die beiden bisherigen Wappen zu vereinigen.

Die Heraldik kennt eine recht grosse Anzahl verschiedener Kreuze. Das wohl bekannteste ist das Schweizerkreuz, von den Heraldikern als frei schwebendes Kreuz bezeichnet, da die Schenkel den Schildrand nicht berühren. Dann gibt es das Balkenkreuz, das mit allen vier Schenkeln den Schildrad berührt. Dazu gehören die Wappen der früheren Ortsgemeinden Tägerschen und Tobel, aber auch die der Städte Wien, Como und Pavia sowie der einstige Provinz Savoyen und viele weitere mehr.

Die beiden Kreuze im neu geschaffenen Wappen der Gemeinde Tobel-Tägerschen sind weder das eine noch das andere. Zudem schreibt eine der heraldischen Regeln vor, dass mit Ausnahme der sogenannten Heroldsbildern (geometrische Aufteilung der Schildfläche in mehrere Felder) keine Figur den Schildrand berühren darf, ausser sie "wächst" daraus hervor. Eine Ausnahme sind einzelne Kreuzarten, die entweder mit allen vier Schenkeln den Schildrand vollständig berühren oder einen deutlichen Abstand davon einhalten.

Dass im vorliegenden Wappen gegen diese heraldischen Regeln verstossen wird, liegt an der optisch schlechten Wirkung, wenn die Schenkel der beiden Kreuze die Teilungslinie vollständig berühren würden. Unbestreitbar wirkt das Wappen in dieser Form viel ansprechender, als wenn es heraldisch einwandfrei gestaltet worden wäre. Das Unterbringen von zwei Kreuzen in einem Wappenschild ist problematisch und kommt deshalb auch eher selten vor.

 

Blasonierung:

Schräg links geteilt von Rot mit weissen Kreuz und von Gelb mit rotem Kreuz, beide Kreuze mit gestutzten Schenkeln gegen die Teilungslinie, so dass diese sich nur mit den Eckpunkten berühren.

 

Einige Beispiele für die Zusammenführung der beiden Wappen von Tägerschen und Tobel,
erschienen im Schweizer Archiv für Heraldik, Heft 2001-I:

 

         

Diese drei Beispiele zeigen die einfachste Art der Zusammenführung. Das dritte ist als das denkbar schlechteste im oben genannten Beitrag nicht aufgeführt, zeigt aber im Vergleich mit dem nun gewählten Wappen sehr deutlich die Problematik. Die ersten beiden Varianten sind auch nicht empfehlenswert.

 

              

Diese Beispiele zeigen die Möglichkeiten der Vereinigung unter dem Beibehalten von einem einzigen Kreuz. Die beiden mittleren Varianten nehmen das Beispiel des Wappens der Thurgauer Gemeinde Altnau mit dem geständerten Kreuz auf. Da hier zwangsläufig die beiden Metallfarben Gelb und Weiss aufeinander treffen, wirken diese beiden Varianten schlecht. Das vierte Beispiel entspricht der Form dem Wappen von Davos, aber in den Farben von Tobel und Tägerschen. Es ist auf den ersten Blick nicht als "Fusionswappen" zu erkennen, entspricht aber in allen Punkten den heraldischen Regeln.
 

          

Diese Beispiele zeigen als weitere Möglichkeit die Lösungen in einem gevierten Schild, was gelegentlich auch zu einer guten Lösung führen kann. Die erste Variante wurde wegen der miserablen Wirkung im oben erwähnten Artikel nicht gezeigt. Die beiden andern haben den Makel, dass Weiss und Gelb aneinander grenzen. Das letzte Beispiel in der Kombination mit dem Antoniuskreuz (T) verweist auf den Doppelnamen Tobel-Tägerschen und in Verbindung mit dem möglichen Fusionswappen von Bichelsee-Balterswil wäre eine speziell thurgauische Variante denkbar gewesen. Leider fand derselbe Lösungsansatz bei Warth-Weiningen keine Anhänger, da die Stimmberechtigen den denkbar einfachsten Weg begingen.

 

Wertung des Wappens: Schlecht   

 

Zur nächsten Gemeindefusion: Tomils GR