Ehemalige Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen

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Übersicht der Fusionen im
Kanton Tessin

Übersicht alle Fusionswappen

Kriterien für die Wertung

 

 

Gemeindefusion im Kanton Tessin: Acquarossa

Ab dem Jahr 2004 sind die neun Gemeinden Castro, Corzoneso, Dongio, Largario, Leontica, Lottigna, Marolta, Ponto Valentino und Prugiasco unter dem neuen Namen Acquarossa vereinigt:

 

 

Castro

Der Turm bezieht sich auf das einstige
römische Militärlager, von welchem sich auch
der Gemeindename ableitet
(lateinisch: castrum).

 

Corzoneso

Der Name soll sich etymologisch gemäss
der volkstümlichen Meinung von cuore della
zona
(= Herzgebiet) ableiten. Deshalb
befindet sich ein Herz neben dem Wellenpfahl,
welcher für den Fluss Brenno steht.

 

 

Dongio

Der Wellenbalken stellt den Fluss Brenno dar.
Der geflügelte Stier mit der aufgeschlagenen
Bibel verweist auf den Evangelisten Lukas,
dem Schutzpatron der Pfarrkirche. Die Lilie
dürfte auf den Eintrag in einem Kirchenbuch
von 1858 zurückgehen, wo fälschlicherweise
San Lorenzo erwähnt ist. Die Lilie als Attribut
des heiligen Lorenzo ist aber ungewöhnlich.

 

 

Largario

Hier werden die Heiligenattribute von Paulus
und Petrus, den Schutzheiligen der Kirche,
gezeigt. Die Farben sind die des Bezirks
Blenio
.

 

Leontica

Dieses Wappen versinnbildlicht die alte
Römerstrasse zur via Lepontica über den
Nara-Pass.

Lottigna

Die Gemeinde übernahm das Wappen der
einstigen Landvogtei Blenio. Im einstigen
Amtssitz der Landvögte ist heute das Talmuseum untergebracht.

 

Marolta

Das Wappen erinnert an die einstige Abtei
San Pietro in Cielo d’Oro. Die gekreuzten
Schlüssel sind das Attribut des heiligen
Petrus.

 

 

Ponte Valentino

Das Motiv stammt aus einem Siegel aus
der Mitte des 19. Jahrhunderts. Über die
Herkunft fehlen Hinweise.

Prugiasco

In der Oberen Schildhälfte sind die Wappen
der einstigen Vogteien Leventina und Bleniotal
zu sehen. Beide sind heute Bezirkswappen,
wobei in dem der Leventina die Hand im rechten
Obereck weggelassen wurde. Die Kirche bezieht
sich auf S. Ambrogio Vecchio in Negrentino,
einem Monument von nationaler Bedeutung.

 

 

 

 

 

Acquarossa

 

 

 

 

 

Im mittleren Abschnitt des Bleniotals befindet sich eine Mineralquelle mit einem sehr hohen Mineralgehalt. Durch den Kontakt mit der Luft lagert sich eine rote gallertartige Fangomasse ab. Der Fango von Acquarossa gehört zu den wenigen natürlichen Heilfangos der Schweiz. Dieses "rote Wasser" wurde nun für den Namen der neuen Gemeinde gewählt.

Es ist deshalb naheliegend, dass der Begriff Acquarossa auch im Wappen symbolisiert wird. Der rote Wellenbalken übernimmt diese Aufgabe. Aber leider wurde bei der Gestaltung des Wappens die heraldische Farbregel, nach welcher die echten Farben Rot, Blau, Schwarz und Grün nur an die Metallfarben Weiss (Silber) oder Gelb (Gold) grenzen dürfen, missachtet. Auch die Sonne mag nicht zu überzeugen. Sie gleicht eher einer kreisförmigen Scheibe, um welche Klötze aus einem Baukasten für Kinder gelegt sind, oder einem aus den Fugen geratenen Wasserrad.

Hier zwei gute Beispiele, wie die Sonne heraldisch dargestellt werden kann:

 

Blasonierung:

In Blau gelbe Sonne, der grüne Schildfuss von rotem Wellenbalken abgegrenzt.

 

Wertung: Schlecht   

 

Zur nächsten Gemeindefusion: Albula-Alvra GR (alphabetisch innerhalb der Schweiz)

Zur nächsten Gemeindefusion: Alto Malcantone TI (alphabetisch innerhalb des Kantons Tessin)

Zur nächsten Gemeindefusion: Avegno Gordevio TI (innerhalb der Bewertungsstufe "schlecht")


Exkurs: Die Sonne in der Heraldik

Die Sonne ist in den folgenden Wappen heraldisch einwandfrei dargestellt. Der Heraldiker unterscheidet gesichtete bzw. gebildete Sonnen und
Sonnen ohne Gesicht.

 

       

Arosa GR

Gommiswald SG
(ab 2013)
Glarus Süd
(ab 2011)
Mettauertal AG
(ab 2010)
Sils im Engadin/Segl GR
         
Siders/Sierre VS Lucens VD Känerkinden BL Arboldswil BL Heiligenschwendi BE
Clarmont VD Grandson VD Nebikon LU Ennetbürgen NW Medeglia TI
(2010 zu Monteceneri)
   
Arosa Gemäss einem Gemeinderatsbeschluss von 1935 wurde das bereits vorhandene Wappen bereinigt. Über die Bedeutung
der Wappenmotive ist im Wappenbuch des Kantons Graubünden nichts überliefert. 
Gommiswald Anlässlich der Gemeindefusion standen verschiedene Wappen zur Auswahl. Am meisten Stimmen erzielte das Thema
"Sonne über der Linth".
Glarus Süd Auch bei dieser Fusion standen verschiedene Vorschläge zur Auswahl.   -->   Link zur Fusion
Mettauertal Bei einer weiteren Fusion wurde die Sonne als Hauptmotiv gewählt.   -->   Link zur Fusion
Sils im Engadin Wie beim Wappen von Arosa wurde das bereits vorhanden Wappen soweit angepasst, dass es mit den heraldischen Regeln
konform ist. Während die Sonne auf Licht und Höhenlage hinweist, ist der Fisch eine Anspielung auf den Fischreichtum und
die Fischerei im Silsersee, welche bereits im Mittelalter von grosser Bedeutung war.
Siders/Sierre Siders nahm als Emblem eine strahlende Sonne an, das wegen seiner früheren Bezeichnung ("sidus, sideris") ein redendes
Wappen darstellt. Natürlich veranschaulicht die Sonne ebenfalls das bevorzugte Klima, das diese Gegend geniesst.
Lucens Das Wappen von Lucens tauchte im 16. Jahrhundert auf, könnte aber älter sein. Die Sonne spielt auf den Namen des Ortes
an - "lucens" bedeutet auf Lateinisch "hell" - ein einfaches Wortspiel ohne etymologischen Hintergrund.
Känerkinden Das Dorf geniesst eine ausgesprochene Sonnenlage. Für den fleissig betriebenen Ackerbau ist der Pflug ein treffendes
Sinnbild. Das Wappen entstand im Jahr 1939.
Arboldswil Auch in diesem Wappen bezieht sich die Sonne auf die günstige Lage an der Chastelenfluh, wo steinzeitliche Funde aus
der ummauerten Höhensiedlung gefunden wurden.
Heiligenschwendi Das 1934 geschaffene Wappen bezieht sich auch hier auf die heilkräftige Lage des Ortes.
Clarmont Bei der Kreation dieses Wappens bezog man sich auf das der Herren von Colombier, ersetzte jedoch den Sparren durch
den Wellenbalken als Symbol für den Fluss Morges, und ergänzte es mit einer Sonne und einem Dreiberg als redende Motive
für den Namen der Gemeinde.
Grandson Grandson, einst eine befestigte Stadt unter dem Schutz einer imposanten Burg, genoss bereits im 14. Jahrhundert Privilegien
ihrer Herren. Es überrascht nicht, dass die Stadt bereits im 15. Jahrhundert ein silbernes Siegel mit ihrem Wappen besass.
Nebikon Das 1938 geschaffene Wappen zeigt die beiden Gewässer Wigger und Luther. Sonne und Mond stammen aus dem Wappen
der Familie Frei, die einst das Amt des Gemeindeweibels innehatte.
Ennetbürgen Dieses Wappen entstand 1894. Es zeigt das Attribut des Kirchenpatrons, des Heiligen Antonius. Die Sonne verweist auch hier
auf die klimatisch bevorzugte Lage.
Medeglia Das Wappen erinnert an die "Cima di Medeglia", deren Abhänge die Gebiete von Bellinzona (Bellinzonese) und Lugano
(Luganese) trennen. Und die Sonne... ja, der Tessin ist die "Sonnenstube" der Schweiz!
 


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