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Übersicht der Fusionen im
Kanton Tessin

Übersicht alle Fusionswappen

Kriterien für die Wertung

 

 

Gemeindefusion im Kanton Tessin: Val Mara

Ab dem Jahr 2022 sind die drei Gemeinden Maroggia, Melano und Rovio unter dem neuen Namen Val Mara vereinigt:

 

 

 

Maroggia

Das Wappen bezieht sich auf die uralten Mühlen
und den Transport von Mahlgut durch Esel über
die Brücke des Wildbaches Mara. Das führte zum Spitznamen "Asan" (Esel) für die Bevölkerung.
Um 1950 entstand das Gemeindewappen, das seither den Gemeindesaal ziert.

 

 

 

Melano

Das Wappen erinnert an die um 1000 erbaute Festung der Comaschi, die bis an den See reichte. Die Haselmaus war im Dorf übermässig stark verbreitet, was zum Spitznamen "Nisciölin" der Einwohner führte.

 

 

 

Rovio

Das seit langer Zeit bekannte Wappen bezieht
sich mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den
Spitznamen "Gatt" (Katze) der Einwohner von
Rovio. Der Grund für diesen Begriff ist
unbekannt.

 

 

 

 

Val Mara

 

 

Gemäss der Gemeinde besteht das Wappen aus folgenden grafischen Elementen:
"Der einzigartige Hintergrund, der die Einheit des Territoriums und seine Natur in seinen vielfältigen Komponenten symbolisiert: Die zentrale horizontale Welle, die das Wasser darstellt (Mara-Bach und See), die auf dem Gebiet der neuen Gemeinde sichtbar und vorhanden sind; die grafische Darstellung der Pfingstrose des Monte Generoso, Symbol des Berges, der das Gemeindegebiet dominiert, symmetrisch und grün wie die Natur; Die Sterne repräsentieren die drei Gründungsgemeinden. Der Stern symbolisiert heraldisch das Streben nach Höherem und Erhabenem. Er gilt seit jeher als positives Symbol und drückt den Wunsch nach Glück und Wohlbefinden und damit nach einer harmonischen Entwicklung der neuen politischen Gemeinschaft aus."

Die Pfingstrose dominiert das Wappen. Val Mara ist die einzige Gemeinde in der Schweiz mit diesem Motiv, mit grosser Wahrscheinlichkeit sogar in Europa. Die Pfingstrose gehört nicht zu den Rosengewächsen (Heckenrose, Erdbeere, Obstbäume aller Art, usw.). Bekannt ist sie in der Schweiz als Gartenblume und im südlichen Tessin als wildwachsende Pflanze. Die Aufnahme als Hauptmotiv ist eine gute Idee. Es ist auch richtig, dass sich die Darstellung von der klassichen Darstellung der Rose deutlich in der Form der Blüte und der Blätter unterscheidet. Die Farben Fuchsia und Lila sind aber keine heraldischen Farben. Abstufungen bei den Farben sind ebenfalls verpönt. Weiter wirkt die Blüte so als wäre sie auf einer Nadel aufgespiesst. Wenn ein Stängel zur Blüte und zu den Blättern führt, gehört er entsprechend dargestellt und eingefärbt. Natürlich können in der Heraldik Pflanzenblätter für sich allein oder in Kombination mit andern Motiven dargestellt werden. Aber hier sind die Blätter nicht mit der Pflanze verbunden, sondern von der Pflanze abgeschnitten. Nicht nur das Wappen als Ganzes, sondern auch die einzelnen Motive besitzen ihre eigene Symbolik. Nun, was ist die Symbolik einer Pflanze mit abgeschnittenen Blätter? Heisst das, dass der Mensch mit seinem Wirken in die Natur eingreift und sie schädigt?

Auch die Wellenleiste, Symbol für die Mara, ist heraldisch nicht korrekt dargestellt. Die Aussage, dass die Welle zentral sei, stimmt nicht. Sie ist etwas nach unten verschoben, damit für die Pfingstrose mehr Platz zur Verfügung steht. Nach den heraldischen Regeln müsste die Wellenleiste entweder genau in der Mitte liegen oder dort, wo der Schildfuss beginnt, der den untersten Viertel oder Fünftel des Schildes einnimmt.

Grundsätzlich gilt innerhalb der Regeln Gestaltungsfreiheit. Zur Gestaltung äussern wir uns grundsätzlich nicht, denn das Wappen kann jederzeit innerhalb der Gestaltungsregeln und der Blasonierung (Beschreibung in der Fachsprache) geändert werden. Aber die Sterne in diesem Wappen wirken stumpf und plump. Die Strahlen sind viel zu kurz. Interessant ist allerdings die Farbe grün. Auch hier ist es das einzige Wappen in der Schweiz mit grünen Sternen. Merkwürdig sind aber die Ausführungen der Gemeinde, insbesondere was ein Stern gemäss der Heraldik alles verkörpern soll. Grundsätzlich kennt die Heraldik nur zwei Symbolsierungen: a) Heiligenattribut von Maria, der Mutter Gottes; b) Zählinstrument (beim Wallis seit dem Ende des 15. Jahrhunderts). Der Vorstellung, dass die Sterne tatsächlich nur das Höhere und Erhabene garantieren sollen, steht die Volksweisheit entgegen, wonach gescheiterte Vorhaben unter einem schlechten Stern standen,

Blasonierung:

In Weiss über einer blauer, leicht erniedrigter Wellenleiste eine Pfingsrose in natürlichen Farben, beseitet von je zwei grünen lanzettenförmigen Blättern, im Schildfuss drei grüne fünfstrahlige Sterne (2,1).

 

Wertung: Schlecht   

 

Zur nächsten Gemeindefusion: Val Terbi JU (alphabetisch innerhalb der Schweiz)

Zur nächsten Gemeindefusion: Verzasca TI (alphabetisch innerhalb des Kantons Tessin)

Zur nächsten Gemeindefusion: Vernay FR (innerhalb der Bewertungsstufe "schlecht")


Exkurs: Blumen in der Heraldik

Blumen finden sich in zahlreichen Gemeindewappen. Weil in der Heraldik natürliche bzw. dreidimensionale Darstellungen verpönt sind,
werden die Blüten je nach ihrer Form entweder von oben (hauptsächliche bei den Rosen) oder von der Seite dargestellt.
Hier zeigen wir eine Auswahl von Gemeindewappen mit typischen Darstellungen bestimmter Blumen:

         

Moosbeerblüte
Besenbüren AG

Fieberklee
Schleinikon ZH
Geissblatt
Dierikon LU
Maiglöckchen
Aumont FR
(2004 zu Les Montets)
(naürliche) Lilie
Blumenstein BE

Birke und Moosbeerblüte
sind typische Vertreter der Flora im "Bünzer Moos".
Der Fieberklee kam früher
im stark versumpften Tal massenhaft vor.
Das Geissblatt ist als
 "Dieriker Rose" seit 1722
im Gemeindesiegel.
Die Maiglöckchen erinnern
an den Spitznamen der
Einwohner von Aumont.
Die Rosen stammen aus
dem Wappen der Herren
von Estavayer.
Redendes Wappen:
Blumen auf Steinen.
         

Erdbeerblüte
Seltisberg BL

Margerite
Rünenberg BL
Pflaumenblüte
La Baroche JU
Bärlauch
Oberramsern SO
(2010 zu Messen)

Bärlauchblüte
Unterramsern SO

Die Erdbeerblüte bezieht
sich auf den Necknamen
 "Ärdbeerischnitzer".
Da die Erdbeere zur Familie
der Rosengewächse
(rosaceae) gehört, ist kein
Unterschied zur einfachen
Rosendarstellung gegeben.
Im 19. Jahrh. wurde die Klee-
graswirtschaft gefördert,
wodurch die weisse Wucher-
blume zum Necknamen der
Rünenberger führte.
Das Wappen entstand 2009
durch den Zusammenschluss
von fünf Gemeinden.
Die Pflaumenblüte bezieht
sich auf den "Damassine",
das überregional bekannte
Destillat der Pflaumen.
Die Bärlauchpflanze wird im
Dialekt "Ramserä" genannt.
Deshalb wurde 1941 die
Bärlauchpflanze als redendes
Wappensymbol gewählt.
Im Gegensatz zu Oberramsern
wird hier die Blüte in der
Aufsicht dargestellt.
Diese Darstellung entspricht
nicht ganz dem botanischen
Diagramm, aber der Bezug
ist eindeutig.
         
         

Distel
Montaubin-Chardonney VD
(2011 zu Jorat-Menthue)

Distel
Chardonne VD
Edelweiss
Randa VS
Seerose
Ebikon LU

Rohrkolben
Saint-Aubin FR

1927 schlossen sich die beiden Gemeinden zusammen.
Der Berg ist der redende Teill
von Montaubin (Berg = mont)
und die Distel das redende
Motiv von Chardonney
(Distel = chardon).
Dieses Wappen stammt aus
dem 18. Jahrhundert und ist
im doppeten Sinn redend:
Disteln = chardons,
Distelfinken = chardonnerets.
Das Wappen entstand 1926.
Die Bedeutung ist nicht über-
liefert. Das Edelweiss bezieht
sich unbestreitbar auf die örtliche, alpine Flora.
Das um 1930 geschaffene
Wappen nimmt Bezug auf
die geografische Lage am
Rotsee.
Das Wappen stammt aus
dem 16. Jahrhundert
und war das Wappen der
damaligen Vogtei Saint-Aubin.
Rose
Die Rose ist in  der Heraldik ein beliebtes Symbol. Die natürliche Darstellung der Rose in den Wappen ist eher selten. Üblich ist die schematische Darstellung der fünfblättrigen Heckenrose in mehreren Varianten. Weitere Informationen finden sich bei der Fusion von Eschenbach SG.
Link Fusion Eschenbach
Lilie
Die Lilie ist in der Heraldik die am stärksten abstrahierte Blütendarstellung. Eher selten ist die natürliche Abbildung. Weitere Informationen finden sie bei der Fusion vn Endingen AG.
Link Fusion Endingen
     
         
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