Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen

Wir über uns

Publikationen

Index Sachgebiete

Abonnement
Bestellungen

Kontakt

Befreundete
Organisationen

Gemeindefusionen
Kanton Graubünden

Gemeindefusionen
Neue Wappen

Kriterien
für die Wertung

 

 

Gemeindefusion im Kanton Graubünden: Breil/Brigels

Im Jahr 2018 vereinigen sich die zwei Gemeinden Andiast und Waltensburg/Vuorz mit der Gemeinde Breil/Brigels

 

 

 

Andiast

 

 

Breil/Brigels (alt)

 

 

 

Waltensburg/Vuorz

 

 

 

 

Breil/Brigels (neu)

 

 

Da der Name der grössten Gemeinde, Breil/Brigels, beibehalten wurde, wäre ein neues Wappen nicht zwingend notwendig gewesen. Offen bleibt die Frage, ob in der heutigen Zeit Wappen mit religiösen Motiven nicht mehr beliebt sind, oder ob man die gelungene Fusion mittels einem neuen Wappen gebührend feiern wollte. Ein erster Versuch im Jahr 2012, die drei Gemeinden zu fusionieren, scheiterte.

Nun ist jede der drei Gemeinden mit einem Motiv im neuen Wappen vertreten. Die drei weissen Spitzen stehen für Brigels und symbolisieren die für das Dorf markanten Brigelser Hörner: Cavistrau Pign (3220 m), Cavistrau Grand (3252 m) und Piz Trumpiv (3101 m). Waltensburg ist mit einem roten Turm vertreten, der sich auf die grösste und älteste Burganlage in der Surselva, der Jörgenburg (Munt Sogn Gieri), bezieht. Der Name verweist auf das Patrozinium des Heiligen Georg über die Kirche, um die sich später die Burganlage entwickelte. Andiast ist mit einer Sonne vertreten. Dem Vernehmen nach taten sich die Andiaster schwer, ein eigenes Motiv für ihr Dorf zu bezeichnen. Von den drei Gemeinden auf der Sonnenterrasse über dem Vorderrheintal ist Andiast die am höchsten gelegene, und somit sind die Einwohner ein Bisschen mehr sonnenverwöhnt als die übrigen.

Dem Fusionskomitee lagen mehrere Vorschläge für das neue Wappen vor, aber alle mit dem Motiv „Burg-Berg-Sonne“. Das Zusammenfassen der bisherigen Wappen wurde als unmöglich verworfen. Nach einem einheitlichen Motiv für alle drei Gemeinden wurde nicht gesucht. Beim gewählten Wappen ist aus nachvollziehbaren Gründen die Schildfarbe Schwarz durch Blau ersetzt worden: Nachts scheint die Sonne nicht! Den Motiven liegen die geometrischen Figuren Rechteck, Dreieck und Kreis zu Grunde, und somit wirkt das Wappen trotz drei Motiven und vier Farben nicht überladen.

Eigentlich hätte die ursprüngliche Farbkombination Schwarz-Weiss als ein Bezug zur einstigen Zugehörigkeit zum Oberen bzw. Grauen Bund verstanden werden können – also eine Gemeinsamkeit aller drei Gemeinden. Im Kanton Graubünden ist das Aufzeigen der alten Herrschaftsbeziehungen durch die Farben der Wappenmotive überdurchschnittlich verbreitet, nämlich in 45 von 277 Wappen. Das liegt weit über dem Durchschnitt der Schweiz und wird nur noch vom Kanton Thurgau überboten.

Die Problematik der Darstellung von Bergen ist im Heft 19 unserer Schriftenreihe "Schweizer Wappen und Fahnen" auf den Seiten 94 bis 96 besprochen. Gemäss den heraldischen Regeln sollten sich die Motive nicht überschneiden, insbesondere nicht gleichfarbige. Die Kontur sollte immer die Trennung zweier Farben darstellen. Überschneidungen implizieren durch Vorder- und Hintergrund eine räumliche Tiefe, was in der Heraldik eigentlich unerwünscht ist. In etlichen Wappen finden sich jedoch solche Lösungen bei der Ausgestaltung von Dreibergen, allerdings sind diese im Schildfuss platziert und demzufolge den andern Motiven untergeordnet.

Unser Bewertungsschema wird seit Jahren unverändert angewendet. Das Wappen von Brigels erhält trotz der kritisierten Punkte das berechtigte Prädikat „gut“.

        

Links: Das Wappen in den Farben des Oberen Bundes wirkt weniger bunt und verweist zusätzlich auf die gemeinsame Geschichte der drei Gemeinden.

Rechts: Eine Burg mit zwei Türmen repräsentiert die Jörgenburg als die grösste Burgenanlage im Vorderrheintal besser. Anstelle der drei sich überschneidenden Spitzen ist der Schild mit einem Spitzenschnitt geteilt.

 

Blasonierung des offiziellen Wappens:

In Blau über drei silbernen Spitzen, die mittlere die beiden äusseren überdeckend und belegt mit schwarz gefugtem roten Zinnenturm, alles überhöht von gelber Sonne.

 

Wertung: Gut 

 

Zur nächsten Gemeindefusion: Brig-Glis VS