Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen

 

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Kanton Thurgau

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Neue Wappen

Kriterien
für die Wertung

 

 

Gemeindefusion im Kanton Aargau: Zurzach

Ab Jahr 2022 sind acht Gemeinden Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen unter dem Namen Zurach vereinigt:

 

 

 

Bad Zurzach

 

 

Baldingen

 

 

 

Böbikon

 

 

 

Kaiserstuhl

 

 

Rekingen

 

Rietheim

 

 

Rümikon

 

 

Wislikofen

 

 

 

 

 

Zurzach

 

 

 

 

 

 

Unter dem Namen „Rheintal+“ entstand ein Projekt zur Bildung einer Grossgemeinde. Von den ursprünglich elf Gemeinden zogen sich Siglistorf und Fisibach noch vor dem Abstimmungstermin im September 2019 zurück. Mit Ausnahme von Mellikon stimmten alle Gemeinden zu. Die angestrebte Grossgemeinde weist nun eine Enklave und eine Exklave auf: Mellikon bildet nun eine Insel innerhalb der Gemeinde und Kaiserstuhl ist abgetrennt.

Der Bevölkerung wurden sechs Vorschläge für ein neues Gemeindewappen vorgelegt. Die Umfrage zeigte kein eindeutiges Ergebnis. Der Favorit vereinigte 27 % der Stimmen. Das Wappen ist schlicht und leicht verständlich: Die blauen Wellenlinien stehen für je eine der Gründergemeinden und symbolisieren gemeinsam den Rhein.

Blasonierung:

In Weiss mit sieben weissen Wellenfäden belegter blauer Wellenbalken.

 

Wertung: Gut   

 

Für den Heraldiker stellen sich trotzdem einige Fragen. Von der Symbolik beinhaltet das Wappen ein Zählsystem: Für jede Gründergemeinde eine blaue Wellenlinie, die aber soweit zusammen geschoben sind, dass ein Wellenbalken entsteht. Gemäss der Blasonierung, der heraldischen Fachsprache zur Beschreibung der Wappen, ist der blaue Wellenbalken mit weissen Wellenfäden belegt. Im Zusammenschlussvertrag ist die Anzahl nicht festgelegt, da diese vom Abstimmungsausgang abhängig war.

Auf dem Wappen haben die Wellenfäden eher die Funktion von Trennlinien, die sonst üblicherweise schwarz dargestellt werden. Schwarze Trennlinien bzw. Wellenfäden wären wegen des geringen Kontrasts kaum erkennbar und würden auch gegen die heraldische Farbregel verstossen. Da der Wellenbalken oben und unten mit einer schwarzen Kontur versehen ist, müssten die Wellenfäden als eigenständige Wappenfiguren konsequenterweise ebenfalls konturiert sein. Dazu reicht aber der Platz nicht aus ausser bei besonders grosser Darstellung des Wappens. Dann müssten die Wellfäden proportional breiter dargestellt werden damit sie nicht mehr als Trennlinien wahrgenommen werden. Das wird bei der Gestaltung der Fahnen der Fall sein. Da Fahnen - für Fachleute gilt der Begriff „Flagge“ – aus grösserer Distanz gesehen werden, vermischen sich die weissen Wellenfäden mit dem blauen Balken, so dass dieser als hellblau wahrgenommen wird. Das ist weiter kein Problem ausser bei den in der Schweiz besonders beliebten Farbenflaggen, die oben mit dem Wappenbild ergänzt sind. Bei diesen Flaggen stimmen dann die Gemeindefarben weiss-blau nur noch materiell, aber nicht mehr optisch überein. Die Gemeindefarben sind vermutlich noch nicht bestimmt. Sie können, wie bereits erwähnt, weiss-blau sein. Aber auch weiss-blau-weiss analog zu Stadt und Kanton Zug ist möglich.

 

Exkurs: Darstellung mehrerer Gewässer

                   

Von links nach rechts:

Kanton Aargau: Der weisse Fluss ist durch zwei schwarze Wellenlinien geteilt. Die offizielle Beschreibung lautet: „Gespalten von Schwarz mit weissem Fluss und von Blau mit drei fünfstrahligen weissen Sternen (2,1)". Auf der ältesten Darstellung des Kantonswappens auf dem Einband der Staatsrechnung von 1803 ist der Fluss nicht mittels Trennlinien aufgeteilt, weist aber eine niedrigere Höhe auf. Die Bedeutung ist nicht überliefert, wird aber als Aare und später als Aare, Reuss und Limmat interpretiert.

 

Valbirse BE: Der Fluss symbolisiert die Birs, die bereits als richtiger Fluss aus einem unterirdischen Flusssystem ans Tageslicht tritt (Stromquelle), was durch die weissen Trennlinien angedeutet wird.

 

Oppens VD: Die drei Flüsse heissen la Mentue, la Greylaz und le Sauteruz.

 

Hauptwil-Gottshaus TG: Bei Hauptwil wurden um 1430 durch das Chorherrenstift St. Pelagiberg fünf Karpfenweiher angelegt, um die ein Naturschutzgebiet entstand.

 

Haut-Intyamon FR: Der schwarz-weiss geteilte Wellenbalken vereinigt die etymologische Deutung in den Wappen von Albeuve (eau blanche) und Neirivue (eau noire).

 

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